Basale Stimulation

In der letzten Lebensphase kommt es häufig zu Bewussteinsbeeinträchtigungen. Diese können sich durch Verwirrtheitszustände, Verständnisproblemen bis hin zu Bewusstseinsverlust darstellen. Für die Nahestehenden ist die Kontaktaufnahme erschwert und die Pflege der Beziehung mit Unsicherheiten und Ängsten belastet. Wertvolle Hilfen um die Begegnung zu gestalten gibt das Konzept der Basalen Stimulation. Die Basale Stimulation, für behinderte Kinder entwickelt, stimuliert an der Basis menschlicher Wahrnehmung. Die sieben Wahrnehmungsebenen und ihre Fördermöglichkeiten werden kurz mit einigen Ideen beschrieben, die auch für Laien durchführbar sind:
Somatische Wahrnehmungsförderung
Unser Körper mit der Haut, als unsere Grenze zur Umwelt, ist mit vielfältigen Empfindungseindrücken von unserer frühesten Entwicklungsphase an vertraut. Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten wie Teilmassagen (Hand, Fuß, Nacken, Bauch…) Streichungen, eine Geste der Berührung zur Begrüßung, passiven Bewegungen u. v. m. an. Taktil-haptische Wahrnehmungsförderung
Der Tastsinn hilft uns erinnern. Gegenstände, die in die Hand gegeben werden, wecken Erinnerungen. Das Fell des geliebten Haustieres kann noch mal zum Augen öffnen veranlassen, das Glas in der Hand den Mund zum Trinken öffnen, der Rosenkranz das Gebet verdeutlichen u. v. m.
Vestibuläre Wahrnehmungsförderung
Unser Gleichgewichtsorgan steuert Wahrnehmungs.- und Bewegungsabläufe. Es verkümmert in der Bewegungslosigkeit. Deshalb wird bei Bettlägerigen durch erhöhen des Kopfteils, Aufrichten des Oberkörpers, drehen im Bett auf die Seite, sitzen an der Bettkante, eventuell ein bisschen schaukeln oder wippen, Kommunikation und Wachheit gefördert.
Vibratorische Wahrnehmungsförderung
Das Sprechen und das Gehen sind uns aus der vorgeburtlichen, vibratorisch reichhaltigen Zeit geblieben. Sprechen, singen und summen bei engem Körperkontakt, sowie vibrierende Massagegeräte beispielsweise nur auf die Matratze gehalten erinnern uns an sorgenlose Zeiten, können beruhigend und entspannend wirken.
Orale Wahrnehmungsförderung kann durch geliebte, vertraute Speisen und Getränke erreicht werden. Letztere können zur Mundbefeuchtung und -pflege auf entsprechende Pflegestäbchen aufgetragen werden, womit die Mundhöhle ausgewischt wird. Auch gefroren als Eislutscher haben sie einen wunderbar erfrischenden Effekt.
Nasale Wahrnehmung
Gerüche wecken unsere Erinnerung und beeinflussen unsere Gefühle. Vertraute Gerüche wie das getragenes Hemd eines geliebten Menschen, ein bedeutsames Parfüm oder Körperpflegemittel oder spezielle Duftölkompositionen bringen zum Ausdruck, was auf andere Art und Weise nicht mehr möglich erscheint.
Auditive Wahrnehmung
Wir wissen nicht genau wie Gehörtes verarbeitet wird, allerdings dass es Menschen, die stark Bewusstseinsbeeinträchtigt sind, wahrnehmen gilt als gesichert. Deshalb ist unser freundliches, zugewandtes Sprechen mit klarem sinnvollem Inhalt, auch kombiniert mit Berührung, eine wichtige Kontaktmöglichkeit. Weitere Möglichkeiten sind Singen, Beten, Vorlesen und Musikangebote.

Für was man sich auch entscheidet, es sollte zu der Person, seinen Vorlieben, Gewohnheiten und Interessen passen. Ob es letztendlich die beabsichtigte Wirkung hat, lässt sich durch eine gute und selbstkritische Beobachtung von Gestik, Mimik, Muskelspannung, Veränderung der Atmung und vielem mehr herausfinden. Einen interessierten, fürsorglichen und einfühlsamen Mitmenschen an der Seite – für viele ein letzter Wunsch – fördert das Wohlbefinden und somit die Lebensqualität. Die auf verschiedene Sinneskanäle gelenkte Aufmerksamkeit und das Spüren von Geborgenheit verringern sogar belastende Symptome. Den Nahestehenden hilft durch das Tun und damit verbundenes Greifen die Situation zu begreifen und anzunehmen. Hier kann wichtige Trauerarbeit beginnen. agl